Born2Render

Physikalische Ästhetikerin

Auf die Frage „was willst du später werden?“ hatte ich nie eine Antwort.
Es gab mal hier und da eine Tendenz aber nie wirklich den „Traumberuf“.

In der Schule war ich mittelmäßig. Nichts hat mich wirklich interessiert und es fiel mir schwer, konzentriert zu bleiben, wenn mich etwas nicht interessierte.

Gegen Ende der Mittelstufe musste ich mich dann für ein Profilfach entscheiden. Ein Schwerpunkt. Am besten sollte ich mich für eines entscheiden, dass sich mit meinem späteren Berufswunsch deckte. Aber den hatte ich ja nicht.

Durch Gespräche mit meinen Eltern kam ich irgendwann auf den Trichter „irgendwas technisches.“ Ganz kurz überlegte ich tatsächlich, Maschinenbau zu studieren um dann zur Luftfahrt zu gehen. An Raketen entwickeln. Der Weltraum hat mich fasziniert.

Schließlich entschied ich mich für Physik. Nicht, weil ich besonders gut darin war, sondern weil ich ungefähr abschätzen konnte, wer alles in dem Profil landen würde. Da ich in allen Fächern gleich schlecht war, dachte ich, dass ich eine andere Entscheidungsgrundlage heranziehen müsste. Also nahm ich das Profil mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf eine gute Klassengemeinschaft.

Und ich hatte Recht. Die drei Jahre waren super. (Die Gemeinschaft war super. Der Schulstoff nicht). Und mit Ach und Krach bestand ich mein Abitur.

Und wusste immer noch nicht, was ich werden wollte. Ich wusste nur, dass sich über die drei jahre meine Tendenz verändert hatte. Ich war in die Oberstufe gegangen mit dem Gedanke „irgendwas Technisches wird es schon werden“ und kam raus mit „irgendwas mit Medien wäre cool. Am besten was in Richtung Film“.

Wenn ich jetzt mit einigen Jahren Abstand da drauf gucke, dann sehe ich, was ich damals nicht sehen konnte. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

Zum einen war ich nicht in jedem Schulfach schlecht. Kunst, Musik und Sport waren meine besten Fächer. Immer zwischen eins und zwei. Und das, obwohl ich eine zurückhaltende und schüchterne Schülerin war. Doch statt diese guten Fächer als Stärken anzuerkennen, habe ich sie ignoriert. Nicht ganz freiwillig. Ich weiß, dass man es gut gemeint hat, als man mir geraten hat, diese Fächer nicht ernst zu nehmen, weil man damit später „kein Geld verdienen“ kann. Doch im Endeffekt hat es dazu geführt, dass ich meine Stärken nicht ausbauen konnte. Vermutlich wäre ich sonst direkt in das künstlerische Profil gekommen.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Ein weiterer Faktor, der es mir damals schwer gemacht hat, war, dass ich keinen Überblick darüber hatte, was es da draußen alles für Jobs gibt. Natürlich waren wir auf Jobmessen und man hat sich online auch mal informiert. Aber dort sind immer nur die Standart-Jobs vertreten. Keine außergewöhnlichen Jobs. Ich wusste damals nicht mal, dass es 3D-Designer gibt!

Ist das heute noch genauso? Oder gibt es inzwischen eine Datenbank mit (fast) allen existierenden Jobs, durch die man sich als Schüler klicken kann?

Wenn nicht, kann das bitte jemand erstellen? Ich hätte mir das damals so sehr gewünscht und ich gehe davon aus, dass es auch heute junge Menschen gibt, die an derselben Stelle stehen und sich fragen, was zur Hölle sie mit ihrem Leben anfangen sollen.

Ich habe jetzt meinen Traumberuf gefunden. Es hat lange gedauert. Und es war zwischenzeitlich echt schwer. Und vielleicht wäre es leichter gewesen, wenn ich meine Stärken als solche früher erkannt und selbstbewusster gefördert hätte.

Wie geht es euch?

Habt ihr direkt gewusst, was ihr werden wolltet?