Zwischen Corona und Bewerbungsfrust
Den Abschluss frisch in der Tasche und in freudiger Erwartung auf die Abschlussfeier – und dann kam der erste Lockdown.
Die Feier wurde abgesagt. Eigentlich nur verschoben bis auf „nach dem Lockdown“. Niemand konnte ahnen, dass dieses Virus uns so lange begleiten würde. Und es ärgert mich. Es ärgert mich, dass wir keine Feier hatten. Auch nach Corona nicht. Wir sind mit dem Abschluss in der Tasche nach Hause gegangen – und haben uns danach nicht wieder gesehen. Es gab kein richtiges Auf wiedersehen. Und gefühlt gab es auch keinen Abschluss. Noch ein Jahr später fühlte ich mich wie eine Studentin.
Eine Herausforderung war zu der Zeit auch die Jobsuche. Bewerbungen kamen mit dem Hinweis zurück, dass man auf Grund der aktuellen Lage nicht wisse, wann und ob man neue Stellen besetzen würde. Homeoffice wurde größer, aber es lief alles unstrukturiert ab. Die Unternehmen mussten sich an die neue Situation anpassen und es zeigte sich, wer in den letzten Jahren zu sehr an alten Strukturen festgehalten hatte.
Zum Glück konnte ich mit dem Aufbaustudium zur staatlich geprüften 3D-Designerin einige Zeit überbrücken. Doch auch das kostete Geld. Also fing ich einen Minijob bei Famila an, den ich später zu einem Midijob und noch später sogar auf Teilzeit erweiterte. Ich konnte froh sein, einen Job in einem systemrelevanten Beruf zu finden. Und ich war froh. Auch wenn es sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlte, so gänzlich vom Weg abzuweichen.
Ich bewarb mich weiter. 10 Bewerbungen, 20, 50, 80… und insgesamt nur zwei Bewerbungsgespräche. Ich hatte ja gehört, dass sich der Bewerbungsprozess ziehen kann, aber das war next Level.
Nach so vielen Bewerbungen sollte man meinen, ich sei ein richtiger Bewerbungs-Profi, oder? Aber nein, ganz im Gegenteil. Ich bin nur verwirrt.
Ich habe wirklich alles probiert:
– die typischen Floskeln und ohne Floskeln
– Businesssprache und lockere Sprache
– mit persönlichen Details und ohne
– aufwändiges Design und strikt nach DIN
– langes Portfolio und kurzes Portfolio
Nichts hat mir einen Vorteil gebracht. Alle kamen mit der gleichen generischen Absage zurück. Auf Nachfrage, was man denn verbessern könnte, kam meistens keine Antwort oder auch nur etwas Generisches.
Ich konnte verstehen, warum so viele aus meinem Jahrgang sich bei Sozial Media ausprobierten. Wenn die alten Strukturen einen so im Stich lassen, dann baut man eben neue auf.