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Den Kern aufgeben?

Im dritten Semester stand bei uns die Zwischenprüfung an. Diese besteht aus einer Präsentation vor drei Prüfern. In dieser werden ausgewählte Arbeiten der letzten Semester vorgestellt. Es wird erklärt, was die Aufgabe dahinter war, welche Gedanken man sich dazu gemacht hat und wie man zum Ergebnis gekommen ist, welches man dann stolz herumgeben kann. Dazu gehört ein roter Faden, der sich sowohl optisch als auch dramaturgisch durch de Präsentation ziehen sollte.

Natürlicherweise bedeutete das für uns Studenten eine große Portion Stress. Die Vorbereitung nahm die Hauptzeit bei vielen von uns ein. Alte Arbeiten wurden nochmal aufpoliert, auf Mockups gezogen und ausgedruckt. Von Büchern wurden im Fotostudio hochwertige Fotos produziert. Und alle suchten ihren roten Faden.

Ich fand diese Suche schwierig – und auch wieder nicht. Dramaturgisch war ich aufgeschmissen eine Zeit lang. Und ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob ich einen guten roten Faden gefunden hatte. Aber optisch stand er schon früh fest.

Bücher. Geschichten.

Ich *liebe* Geschichten. Ich lebe Geschichten.

Ich lese Bücher, seit ich Buchstaben verstehen kann. Als Kind und Jugendliche hat man mich nie ohne ein Buch angetroffen und ich habe ganze Ferien einfach „weggelesen“. Irgendwann fing ich an, selbst Geschichten zu schreiben. Nur für mich. (mehr zu meiner Leidenschaft und meinem Weg zur Autorin gibt es auf www.runaskald.de)

Auch Werbung lebt von Geschichten.

Alle meine Projekte haben immer eine kleine Geschichte.

Also erstellte ich kleine Bücher-Icons, gestaltete das Handout wie ein Buch, stellte den Fortschritt in Büchern dar. Bei jeder Arbeit verschwand ein Buch aus dem Regal.

Vielleicht lag es an meiner Nervosität (ich war immernoch sehr schüchtern, auch wenn es schon viel besser war als in der Schule) oder an einer schlecht gewählten Dramaturgie, doch der Sinn mit den Büchern kam nicht rüber.

„Lass die Bücher weg, das passt nicht.“

So oder so ähnlich lautete ein Kritikpunkt zu meiner Mappe. An den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr. Nur an die Gefühle: Schock, Unglauben, Frustration. Die Präsentation erhielt eine gute Note, aber es fühlte sich nicht so an.

Ich hinterfragte mich. Meine Arbeiten. Meine Denkweise.
Ich solle meinen Kern aufgeben? Das, was mich ausmacht? Das, was mich antreibt?

Eine Zeit lang fühlte ich mich ziellos. Ich versuchte, mich von Geschichten und Büchern zu lösen. Sie als einfaches Hobby zu sehen und einen neuen Kern, einen neuen Antrieb zu finden. Und ein wenig hat es auch funktioniert. Als hilfsbereiter Mensch macht es mich natürlich glücklich, Dinge zu entwickeln, die anderen helfen. Emotionen bringt man damit allein aber nicht rüber. Das geht über Geschichten.

Mein allererstes Logo besaß sogar den Schriftzug „Text & Design“. Auch das wurde kritisiert, weil es „meine Marke verwässert“. Ich verstehe, was damit gemeint war. Dennoch war es frustrierend.

Mit der Zeit entwickelte ich eine Sturheit bei diesem Thema. „Text“ flog aus dem Logo, aber ich baute eine zweite Persona auf, die sich mit den Geschichten befasste. Ich war nicht bereit, das aufzugeben. Und ich werde es nie sein.

Heute bin ich froh, dass ich mich nie wirklich davon lösen konnte. Jede Szene, die ich baue, hat eine Geschichte. Storytelling ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Berufs.

Manchmal muss man auch stur sein und seinen Weg gehen, auch wenn alle um einen herum dagegen sind!